Eiswürfel Fiasko
- piXVenture

- 8. Juli
- 4 Min. Lesezeit
Manchmal sind es nicht die großen Dinge, die über ein gutes gastronomisches Erlebnis entscheiden. Oft sind es die kleinen Details, die beim Gast im Kopf bleiben: ein passendes Glas, eine schöne Garnitur, ein hochwertiger Strohhalm und natürlich ausreichend Eiswürfel.

Gerade in der Gastronomie wird viel über Ambiente, Konzept, Design und Außenwirkung gesprochen. Das ist auch richtig und wichtig, doch die tatsächliche Markenwahrnehmung entsteht nicht nur online oder auf der Speisekarte. Sie entsteht genau in dem Moment, in dem der Gast sein Getränk serviert bekommt. Aus Sicht von mir als Kunde und Unternehmensberater ist das ein Punkt, der häufig unterschätzt wird.
Ich erlebe es immer wieder, dass in der Gastronomie Getränke serviert werden, die entweder komplett ohne Eiswürfel kommen, mit viel zu wenig Eis oder mit kleinen, halb geschmolzenen Stücken, die eher nach Restbestand aussehen als nach einem bewusst servierten Drink. Damit meine ich ausdrücklich nicht das klassische Dorfwirtshaus oder den klassischen Biergarten, bei dem man vielleicht andere Erwartungen hat. Ich spreche von Lifestyle-Gastronomie, Bars, Clubs, Kneipen und Erlebnisgastronomie. Also genau von den Orten, an denen Atmosphäre, Präsentation und Genuss eigentlich Teil des Konzepts sein sollten.
Manchmal wirkt es fast so, als wären Eiswürfel aktuell eine echte Rarität geworden, wenn man nachfragt, hört man öfter, dass keine eigene Eismaschine vorhanden ist oder diese nicht mehr betrieben wird, weil es sich angeblich nicht lohnt. Stattdessen wird Eis extern zugekauft. Das kann natürlich funktionieren, bringt aber auch Risiken mit sich: Es wird zu wenig eingekauft, die Qualität passt nicht oder die Eiswürfel sehen optisch nicht besonders attraktiv aus.
Für den Gast sind diese internen Abläufe jedoch kaum relevant. Er sieht nicht, ob Eis selbst produziert, zugekauft oder kurzfristig nachbestellt wurde. Er sieht nur das Ergebnis und wenn ein Getränk bei Temperaturen jenseits der 30 grad Marke ohne Eis, ohne Garnitur und ohne sichtbare Liebe zum Detail serviert wird, dann wirkt das schnell lieblos.Dabei geht es nicht darum, jeden Drink übertrieben zu inszenieren. Es geht darum, dass ein Getränk fertig, wertig und durchdacht wirkt. Ein Limoncello Spritz ohne Zitrone, dafür mit einem schlichten Pappstrohhalm, vermittelt einfach ein anderes Gefühl als ein schön gekühlter Drink mit passender Garnitur.

Bei einem Aperol gehören für mich viele Eiswürfel, eine Orangenscheibe und im besten Fall ein Strohhalm aus Glas oder Metall dazu. Da Plastikstrohhalme in Deutschland nicht mehr üblich sind, gibt es genug Alternativen, die hochwertiger wirken als ein Pappstrohhalm, der nach kurzer Zeit weich wird. Auch spielt das Glas eine große Rolle, es hat aus meiner Sicht einen guten Grund, warum ein Aperol in einem passenden Aperol-Glas serviert wird und ein Lillet ebenfalls in einem passenden Glas. Das Glas ist nicht nur irgendein Behälter. Es ist Teil des Erlebnisses. Es beeinflusst, wie hochwertig ein Getränk wahrgenommen wird, wie gerne man es trinkt und ob am Ende wirklich ein Genussgefühl entsteht.
Viele denken vielleicht, dass es bei einem einfachen Softgetränk wie einer Cola nicht so entscheidend ist, aber auch hier entsteht Wahrnehmung. Erst neulich habe ich eine Cola bekommen: 0,4 Liter, normales Longdrink-Glas, kein Eis, keine Zitrone, keine Präsentation. Bei Außentemperaturen von weit über 35 Grad ist das aus meiner Sicht schwierig, da der Gast bei diesen Temperaturen ein kaltes, angenehmes Getränk erwartet. Wenn der letzte Rest schon warm ist, bevor man fertig ist, bleibt kein gutes Gefühl hängen.
Noch deutlicher wurde es für mich auf einer Hochzeit, auf der ich vor Kurzem zu Gast war. Gegen späten Nachmittag waren dort die Eiswürfel leer und das bei 38 Grad Außentemperatur. Für die Gäste war das kein schönes Erlebnis, auf Nachfrage erklärte der Gastwirt, dass er kurzfristig am Vortag noch eine Hochzeit dazubekommen hatte, dabei seien die Eiswürfelreserven aufgebraucht worden, sodass es am nächsten Tag bei der Hochzeit, auf der ich zu Gast war, nur noch bis zum Nachmittag gereicht hat. Außerdem habe ich erfahren, dass der Gastronom sein Eis zukauft. Er sagte mir auch, dass er am nächsten Tag leider kein Eis mehr herbekommen habe. Ob das nun genau so war oder nicht, kann ich abschließend nicht beurteilen. Für den Gast zählt am Ende aber vor allem eines: Das Getränk war bei 38 Grad nicht mehr so, wie man es erwarten durfte. An dieser Stelle möchte ich noch Anmerken, die Gastgeber, das Brautpaar kann hier in keinster Weise etwas dafür und danke nochmals für die tolle Hochzeit.

Genau hier liegt der eigentliche Punkt, in der Gastronomie geht es nicht nur darum, etwas zu verkaufen, es geht darum ein Erlebnis zu schaffen. Gerade bei Hochzeiten, Bars, Clubs und Erlebnisgastronomie zahlen Gäste nicht nur für den Inhalt eines Glases. Sie zahlen für Atmosphäre, Qualität, Präsentation und das Gefühl, gut aufgehoben zu sein.
Für Gastronomen ist das eine große Chance, denn solche Details sind vergleichsweise einfach zu verbessern und haben aber eine starke Wirkung. Ausreichend Eis, passende Gläser, saubere Garnituren und hochwertige Alternativen zu Plastikstrohhalmen können den Unterschied machen, ob ein Getränk durchschnittlich wirkt oder ob der Gast zufrieden ist.
Bei piXVenture betrachten wir solche Punkte nicht als Nebensache, sie gehören zur Außenwirkung eines Unternehmens. Denn eine Marke entsteht nicht nur durch Logo, Website oder Social Media, eine Marke entsteht durch jedes einzelne Erlebnis, das ein Kunde oder Gast mit ihr hat.
Wenn ein Drink lieblos serviert wird, wirkt auch der Betrieb schnell lieblos, wenn ein Getränk dagegen kalt, passend, hochwertig und mit Liebe zum Detail kommt, vermittelt das Wertigkeit, Aufmerksamkeit und Professionalität. Genau diese kleinen Details können am Ende darüber entscheiden, ob ein Gast wiederkommt, positiv darüber spricht oder den Besuch einfach abhakt.
Aus diesem Grunde ist das Thema Eiswürfel für mich kein belangloses Luxusproblem. Es ist ein gutes Beispiel dafür, wie stark Details die Wahrnehmung eines Betriebs beeinflussen. Wer Gastronomie betreibt, verkauft nicht nur Getränke, er verkauft Momente und diese Momente sollten sich gut anfühlen.



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